SolothurnWest


Wasserstadt Solothurn nimmt Gestalt an


Wasserstadt oder Luftschloss ???

An der Aare Im Südwesten der Stadt Solothurn soll ein wegweisendes und qualitativ hochstehendes städtebauliches Projekt realisiert werden: Die «Wasserstadt Solothurn», auch bekannt unter dem Begriff "Kleinvenedig". Die Konzeptidee stammt vom weltberühmten Architekturbüro Herzog & de Meuron. 

Wasserstadt Solothurn nimmt Gestalt an >>

Sie geistert seit Jahren herum, doch nun ist sie Realität: die «Wasserstadt Solothurn», ein für die Schweiz revolutionäres Grossprojekt an der Aare. Bis in einigen Jahren soll auf einem Perimeter von 375 000 Quadratmetern ein künstlicher See, verbunden über zwei Kanäle mit der Aare, entstehen. An den Ufern ist eine Wohnsiedlung mit rund 300 Einheiten geplant, umgeben von renaturierter Auenlandschaft sowie bestehender Infrastruktur wie dem Schwimmbad, dem Campingplatz und Bootshafen. Fast die Hälfte des Areals nimmt heute die seit 1976 stillgelegte Kehrichtdeponie des so genannten «Stadtmists» ein, die nach Abklärungen saniert werden sollte. Mit der «Wasserstadt» könnte Solothurn diese Altlast loswerden, doch dürfte das Vorhaben bis zum eigentlichen Baubeginn «einen dreistelligen Millionenbetrag» erreichen. Gestern präsentierten Architekturprofessor Harry Gugger für das Architekturbüro Herzog & de Meuron das Konzept, das Initiant Ivo Bracher von «SO-Visionen» als «machbar» erachtet. Mit von der Partie sind auch Kanton und Stadt, vertreten durch Regierungsrat Walter Straumann und Stadtpräsident Kurt Fluri.

«Seit 2005 arbeiten wir daran», erklärte gestern Ivo Bracher, Präsident von SO-Visionen. Beim Verein, der sich für eine nachhaltige Entwicklung der Region Solothurn einsetzt, habe zuerst Skepsis geherrscht. «Neun von zehn Projekten würden von Herzog & de Meuron abgelehnt, hiess es damals», blickte Bracher auf die «wenig ermutigende Ausgangslage» zu-rück. Doch nachdem Harry Gugger, Architekturprofessor und seit 1991 Partner der Basler Architekten, die Projektstudie übernommen habe, sei ein Konzept erarbeitet worden, das «projektwürdig ist». Insbesondere habe man mit Ingenieuren und Spezialisten auch die Kehrichtdeponie des ehemaligen «Stadtmists»  auf die Beschaffenheit des Mülls, die Entsorgung bis hin zu den Kosten untersucht. Bei diesem Punkt blieb Bracher vorsichtig: Gegen 100 Mio. Franken dürften aufzuwenden sein, «bis das erste Haus gebaut wird». Und auch der Zeitplan erstreckt sich über einen Horizont von nur schon drei Jahren, bis allein die planerischen Grundlagen erarbeitet sind. Begonnen werden soll mit dem Erarbeiten von Vereinbarungen und (finanziellen) Absichts-erklärungen zwischen den involvierten Parteien wie Kanton und Stadt als Grund-eigentümern sowie bereits interessierten Investoren – namentlich der Bracher und Partner AG sowie der Espace Real Estate AG, damit überhaupt eine Trägerschaft des Grossvorhabens zustande kommt. Erst nach einer Umzonung und den folgenden Planungsschritten könnten die eigentlichen Bauarbeiten begonnen werden, die sich nochmals über etliche Jahre erstrecken dürften, so Bracher.

«Wenn die Aufgabe stimmt, dann fällt einem die Arbeit leicht», zeigte Harry Gugger den Werdegang «seines Babys» auf. Der Standort Solothurn habe dank der zentralen Lage im Mittelland beste Voraussetzungen für die Realisierung der «Wasserstadt». Der Architekturprofessor betonte neben dem Erholungs- und Freizeitwert der geplanten Siedlung – «es wohnt sich da wie in den Ferien» – auch die Machbarkeit des Vorhabens in technischer Hinsicht: Mit dem Aushub des Kehrichts entstehe dort ein Grundwassersee, der das Kernstück der «Wasserstadt» bilde. Auch hydrologisch sei Solothurn ein idealer Standort, meinte Gugger, denn dank der Juragewässerkorrektion steigt bekanntlich der Aarespiegel auf der Höhe des Campingplatzes auch bei Extremhochwasser nur um wenige Zentimeter. «Neben den privaten Wohnhäusern umfasst das Gebiet auch weitgehend öffentliche Uferzonen, an denen Baden und sonstige Freizeitaktivitäten möglich sind», machte Harry Gugger auf weitere Vorteile des Gross-projekts aufmerksam. Dieses entspreche zudem dem aktuellen Trend: «Die Leute ziehen wieder in die Stadt.»

Für Ivo Bracher wird die «Wasserstadt» ein attraktiver Wohnort für gute Steuerzahler sein. Die Realisierbarkeit hängt jedoch für ihn von der anvisierten Entsorgung des Kehrichts ab – zu der die entsprechenden Fonds von Bund und Kanton beitragen sollen. Dies ist aber noch nicht geklärt, wie eine Auskunft von Werner Stebler, Leiter des Stadtbauamtes, gestern zeigte: «Die Sanierungspflicht ist in Abklärung, aber formell ist noch nichts durchgespielt. Doch sollte dies möglichst rasch erfolgen.»
Stadtpräsident Kurt Fluri betonte, bis jetzt habe es keinen akuten Sanierungsbedarf gegeben, und solange «ist die Lust klein, das Ganze an die Hand zu nehmen». Doch sei die Sanierung immer wieder als Thema aufgetaucht, und das jetzige Vorhaben für Solothurn auch deshalb «eine Chance». Das Projekt passe «sehr gut in unsere Entwicklungsstrategie», und mit seinem «innovativen Charakter» stehe es für «eine nachhaltige Raumnutzung», betonte der Stadtpräsident weiter.
Für den Solothurner Baudirektor Walter Straumann stimmt die «Wasserstadt» mit den Zielsetzungen des kantonalen Richtplans überein – «wir haben ein vitales Interesse, unsere Städte als Lebensräume aufzuwerten.» Zum Thema Deponie-Sanierung lieferte auch der Regierungsrat ein Statement: «Ohnehin» müsse diese erfolgen, und so gesehen sei das Vorhaben ideal, um einen «Mehrwert» des heute belasteten Gebiets zu erreichen. Straumann sicherte dem Vorhaben die Unterstützung des Kantons zu. Immerhin hat dieser schon 50 000, die Stadt Solothurn 75 000 Franken an die bisher aufgelaufenen Projektierungskosten von 300 000 Franken beigesteuert.


Bleibt noch zu erwähnen, wann die «Wasserstadt» erstmals aufgetaucht ist: Schon im Juni 2005 wurde sie als visionärer Beitrag von der Redaktion dieser Zeitung in einer Beilage vorgeschlagen. Damals «Port Soleure» genannt, war unsere «Laguna City» exakt dort angesiedelt, wo sie jetzt hinkommen soll. Sogar von einer «Lagune» in Richtung Witi-Schutzzone, gedacht als ökologische Aufwertung, war damals die Rede. Zufälle gibts ...

Quelle: (W. Wagmann, Solothurner Zeitung vom 16. Jan 2008)

Uebersicht

Kommentare

Bisher keine Kommentare vorhanden. Schreiben sie den ersten?

Einen Kommentar hinzufügen?