| Reaktionen auf Infoabend der FdP | 04.06.2008 |
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Das geplante neue Coop-Einkaufszenter auf dem Areal des ehemaligen Kofmehl wurde den beunruhigten Anwohnern an einer Informationsveranstaltung vorgestellt. Die Skepsis der Anwesenden war gross. |
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Solothurner Zeitung, 4. Juni 2008, Wolfgang Wagmann
Die Anwohner zeigten sich renitent
Die Pläne für ein neues Coop-Center auf dem ehemaligen Kofmehl-Areal stossen auf erbitterte Opposition der Anwohnerschaft. Dies mussten zwei Coop-Vertreter erfahren, als sie das Projekt an einem FdP-Informationsabend vorstellten. Die Kritik am Bauvorhaben war heftig, frontal und öfter fast tumultös.
«Die Bevölkerung wurde über das Projekt nie richtig informiert, deshalb hat die FdP zu diesem Abend eingeladen», begrüsste Gemeinderat Peter Kambli die gegen 70 Personen, zusammen mit Parteipräsident Yves Derendinger.
Kambli machte vorerst darauf aufmerksam, dass der Gemeinderat den Teilzonen- und Gestaltungsplan bei nur einer Enthaltung mit 28 Stimmen gutgeheissen habe.
Von den Stadtbehörden sei niemand erschienen, weil die Stadt im noch laufenden Einspracheverfahren Partei sei – gegen das Projekt waren im Februar acht Einsprachen, unterzeichnet von insgesamt 146 Personen aus der Anwohnerschaft, eingegangen.
Beibehaltung aller Filialen versprochen
Danilo Zampieri, Leiter der Immobilienregion Nordwest von Coop Schweiz, stellte zunächst das viergeschossig ausgelegte Center-Projekt vor. Im Erdgeschoss wäre die Coop-Foodabteilung mit rund 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche angesiedelt, dazu käme ein geringer Fremdmieter-Anteil.
Diesen vorbehalten bliebe dagegen das erste Obergeschoss, wo Coop lediglich ein Restaurant mit 180 Sitzplätzen und einer Terrasse betreiben will. Insgesamt 6500 Quadratmeter Verkaufsfläche stünden damit zur Verfügung. Eine 90 Meter lange Rampe wird ab dem «Erschliessungs-Stummel» von der Westumfahrungsachse her ins dritte und vierte Geschoss führen. Beide Ebenen dürften je etwa 120 bis 140 Parkplätze aufweisen.
André Mislin, Leiter Coop-Verkaufsregion Nordschweiz, versuchte wortreich zu erklären, warum der neue Center für sein Unternehmen «sehr, sehr wichtig» sei. Gleichzeitig versprach er, die drei bisherigen Solothurner Coop-Filialen Rosengarten (Vorstadt), Westring (Altstadt) und City West (Weststadt) auch nach der Eröffnung des neuen Centers – Wunschtermin Mitte 2010 – beizubehalten.
Skepsis und Ablehnung
Zuerst schlug in der Fragerunde den beiden Coop-Leuten eine Welle der Skepsis entgegen. Die Schliessung des Kiosks im City West wurde angeprangert; Mislin gab zu, dies sei ein Fehler gewesen. Nicht nötig wäre das neue Center, es bringe nur Mehrverkehr, Lärm und Gestank, meinte eine Anwohnerin und erntete tosenden Applaus. Auch die Bauhöhe von 17 Metern stand in der Kritik – «wir sind damit hintergangen worden», tönte es. Dagegen verwahrte sich Zampieri, man habe stets die baurechtlichen Vorschriften eingehalten.
Allgemein bezweifelt wurde, ob ein vierter Coop-Standort nötig sei, wenn doch schon in einigen anderen in Solothurn «wenig läuft». «Lippenbekenntnisse» seien die Versprechen von André Mislin, und Ingrid Spring-Ruf, eine der Oppositions-Initiantinnen, rief der Coop-Delegation zu: «Wir wollen gar keine grossen Läden. Ihr braucht ein Flaggschiff, nicht wir brauchen es.»
Zuvor hatte nämlich Danilo Zampieri angetönt, «wir könnten gar ein drittes Geschoss an Fremdmieter abgeben – so gross ist das Interesse». Zwischendurch vermochte sich «Moderator» Peter Kambli kaum Gehör zu verschaffen, so hektisch war das Stimmengewirr.
Dann rückte ein weiteres Hauptthema ins Zentrum: Die Altlasten, die noch unter dem Areal ruhen und mit dem Neubau nicht entsorgt werden sollen. Anwohner Istvan Baranyai warnte: Wenn man nicht «runter» gehe, die Altlasten entsorge und die Parkierung unterirdisch löse, gebe es Einsprachen. «Und dann dauerts lange.»
Eine Einigung gabs immerhin auf einem sehr kleinen Nenner: Danilo Zampieri versprach eine Verglasung der Parkdeckwände anstelle der offenen, begrünten Konstruktion zu prüfen, um den Fahrlärm besser eindämmen zu können.
Solothurner Tagblatt, 4. Juni 2008, Michael Jager
Neues Coop für Grosseinkäufe
Das geplante neue Coop-Einkaufszenter auf dem Areal des ehemaligen Kofmehl wurde den beunruhigten Anwohnern an einer Informationsveranstaltung vorgestellt. Die Skepsis der Anwesenden war gross.
Quartierkoordinator Peter Kambli sowie FdP-Parteipräsident Yves Derendinger hatten den Leiter der Coop-Verkaufsregion Nordwest, André Mislin, und den Leiter Immobilienregion Nordwest, Danilo Zampieri, in die Aula des Schulhauses Brühl eingeladen, wo sie rund 70 Anwohnern das geplante Grossprojekt schmackhaft machen wollten. Da momentan noch acht Einsprachen gegen den vom Gemeinderat beinahe einstimmig angenommenen Gestaltungsgplan hängig sind, war von der Stadt niemand da für eine Stellungnahme. Die FdP wollte jedoch die Bevölkerung aus erster Hand informieren und damit wohl den geäusserten Bedenken entgegentreten, dass das Projekt ohne öffentliche Aufmerksamkeit angegangen werden solle.
Altlasten versiegeln
Zampieri demonstrierte die Architektur des geplanten Einkaufszentrums und kam gleich auf einen der Haupteinwände zu sprechen: Die Altlasten unter dem Boden des Areals. Diese will man nicht ausgraben und entsorgen, sondern mit sogenannten Verdrängungspfählen im Fundament versiegeln. Obwohl viel Platz vorhanden sein wird, werden nur knapp 300 Parkplätze auf den oberen Stockwerken bereitgestellt, was aufgrund der Geometrie des Gebäudes nicht anders möglich sei. Beispielsweise am Samstagnachmittag, könne es zu Stausituationen auf der 90Meter langen Anfahrtsrampe kommen. Die Fassade des neuen Coops, welches grösser als das in Biberist sein wird, soll begrünt werden.
Mislin betonte die Rolle von Coop als wichtiger Arbeitgeber und dass man in Solothurn intensiver investieren wolle. Die Situation der drei anderen Coops sei momentan unbefriedigend, da diese vom Sortiment her den Wünschen der Kunden nicht mehr gerecht würden: «Das Brühl steht für das Tagesgeschäft, das neue Coop für den Grosseinkauf.»
Mislin versprach zudem, dass man das Coop Brühl nicht schliessen wolle.
Viele der Anwesenden sahen jedoch den Sinn eines neuen, grossen Coop nicht ein: Schliesslich seien das Migros Langendorf oder die Stadt auch in zehn Minuten erreichbar. Die neue Umfahrungsstrasse werde die Anwohner sowieso schon mit Lärm und Gestank belasten. Man zweifelte weiterhin daran, dass der Neubau für die Stadtbewohner gedacht sei, sondern eher für die angrenzenden Gemeinden.
Fremdmieter
Das neue Coop soll zudem Fachgeschäfte als Fremdmieter beherbergen. Auch hier sahen viele Anwohner den Sinn nicht wirklich, da die Stadtgeschäfte ohnehin schon zu kämpfen haben: «Wer braucht schon einen Kleiderladen in der Weststadt?» Die Bedenken, dass Lärm- und Emissionsschutz ungenügend geregelt seien, waren gross. Man wünschte sich von Coop einen Imagewandel zu einer umweltbewussteren Expansionspolitik.
Applaus erntete der Vorschlag eines Anwohners, die Altlasten endgültig zu beseitigen, anstatt einfach in die Höhe zu bauen. Kaum jemand der Anwesenden glaubt an das Lippenbekenntnis Mislins, das City West beim Bau des neuen Einkaufszentrums nicht zu schliessen: «Wer garantiert uns, dass in zwei Jahren nicht ein anderer Verkaufsleiter vor uns steht?», fragte einer.
Kambli meinte zum Schluss, dass man nun sehen werde, was der Gemeinderat von den acht eingegangen Einsprachen halte.
UebersichtKommentare
| "Renitent" liegt ziemlich daneben | von Andreas Ehrsam 04.06.2008 |
| Bedauerlicherweise wurde der berechtigte Protest der Anwohner in der Solothurner-Zeitung als "renitent" bezeichnet. Renitenz bedeutet soviel wie Eigensinnigkeit, Widerborstigkeit, Bockbeinigkeit, Dickköpfigkeit. Als Teilnehmer des besagten Anlasses schien mir die Renitenz eher auf Seiten Coop und Politik zu liegen. Die Anwohner jedenfalls zeigten sich durchaus gesprächs- und kompromissbereit, dies im Gegensatz zu den Verfechtern des Projekts. Alles eine Frage des Standpunktes. |
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