| Einsprachen/Kritik Coop Kofmehlareal | 14.02.2008 |
|
3 Artikel aus der Solothurner Regionalpresse zu den Einsprachen rund um das geplante Coop-Center. |
|
Solothurner Zeitung, 26. Jan. 2008, Wolfgang Wagmann
Am liebsten möchte man nichts
Ehemaliges Kofmehl-Areal: Anwohnerschaft macht gegen geplantes Coop-Center mobil
Eine Gruppe Anwohnerinnen und Anwohner kann dem geplanten Coop-Center auf dem ehemaligen Kofmehl-Areal nichts abgewinnen und erwägt rechtliche Schritte gegen den aufgelegten Gestaltungsplan. Befürchtet wird mehr Lärm, mehr Verkehr, und auch die Bauhöhe steht in der Kritik. Der Tenor: «Wir möchten gar kein neues Coop-Center dort.»
«Eigentlich hätten wir uns ein Mitwirkungsverfahren gewünscht», meint Andreas Ehrsam einleitend – er und die vier übrigen der Anwohnerrunde sind sogar der Ansicht, ein solches sei bei einem Vorhaben dieser Dimension vorgeschrieben. Der nächste Punkt: Eigentlich wären «weit über 500 Parkplätze» notwendig gewesen, jetzt habe man die Zahl auf fast die Hälfte reduziert. Mit der Begründung, die Hälfte der Besucher komme mit dem Bus. «Da fahren doch fast alle mit dem Auto an», glaubt nicht nur Ehrsam – deshalb müsse man in Spitzenzeiten mit wildem Parkieren in den Quartieren rechnen. Ohnehin würde die Westumfahrung bald wieder überlastet sein, und damit mutierten die Quartierstrassen zu willkommenen Schleichwegen. «Die Allmendstrasse wird mehr als 1000 zusätzliche Fahrzeuge zu verkraften haben», verweist Ehrsam auf Zahlen aus dem Umweltverträglichkeitsbericht zum Gestaltungsplan Kofmehl. Christine Pahud ist sich mit der Runde einig: Eigentlich hätte man mit dem Gestaltungsplan ein Verkehrskonzept ausarbeiten müssen, das zwingend die Zu- und Wegfahrten zum Coop-Center über die Westumfahrung leitet und Fluchten über die Quartierstrassen verunmöglicht.
Bio-Produkte und Sondermüll
Besorgnis lösen auch die Altlasten auf dem Kofmehl-Areal aus, für die jedoch – bei einer oberirdischen Bauweise – keine Sanierungspflicht besteht. Gegenwärtig seien zwar keine Auswirkungen der Altlasten spürbar, doch liege der Grundwasserspiegel sehr hoch und sollte bei der Fliessrichtung Süd das Grundwasser durch die Bauarbeiten kontaminiert werden, könne man «bald kein Gemüse aus dem eigenen Boden mehr geniessen», wird befürchtet. Sei das Center einmal gebaut, werde auch eine Sanierung der Altlasten unmöglich – «oben verkaufen sie Bio-Gemüse und unten liegt der Sondermüll», tönt es pointiert aus der Anwohner-Runde.
Tag- und Nachtlärm
Speziell dem Kapitel Lärm hat sich Paul Naef, an der Heilbronnerstrasse ein sehr direkt betroffener Anwohner, angenommen. Allein nachts sei mit Anlieferungen durch sieben Lastenzüge zu rechnen. «Dies erzeugt 88 Dezibel. Zum Vergleich: 70 Dezibel ergeben sich bei 30 Meter Abstand von einer Autobahn», rechnet Naef vor. «Eine weitere grosse Lärmquelle sind die Klimageräte auf dem Dach, die ebenfalls 75 Dezibel erzeugen.» Dazu befürchtet Naef auch Nachtlärm durch die 20-Angestellten-Parkplätze und tagsüber durch die Kundenparkplätze, die alle oberirdisch und sogar mit einem Deck auf dem Dach angelegt werden. Auch ein Thema sind die Bauarbeiten, die ein Pfählen erfordern. Nebst dem Lärm, den sie schon beim Bau des Gibelintunnels zu erdulden hatten, haben die Anwohner schlechte Erfahrungen mit Terrainsenkungen und Wassereinbrüchen gemacht. «Vor dem Beginn der Bauarbeiten wären deshalb im Voraus Riss-protokolle zu erstellen», fordern sie.
Heidi Schläppi, ebenfalls an der Heilbronnerstrasse zu Hause, kritisiert die geplante Gebäudehöhe von 17,5 Metern. «Die Wand nimmt mir die bisherige Sicht auf den Jura», klagt sie. Ursprünglich sei die Rede von 14 Metern Höhe gewesen – «es kann doch nicht sein, dass man die Sonderbauvorschriften einfach dem Projekt anpasst».
Wie es weitergehen soll
Mit weiteren Anwohnern, vor allem auch der Allmendstrasse, will die Gruppe rechtliche Schritte gegen den Gestaltungsplan, der noch bis am 8. Februar aufliegt, prüfen. Andreas Ehrsam, der sich auch im laufenden Quartierentwicklungskonzept Weststadt engagiert, hat sogar mit der Website www.solothurnwest.ch ein Diskussionsforum im Internet kreiert. «Natürlich hoffen wir, dass sich uns weitere Betroffene anschliessen», meint Ingrid Spring-Ruf, die Fünfte in der Runde, im Hinblick auf das laufende Planungsverfahren.
Solothurner Zeitung,12. Feb. 2008, Wolfgang Wagmann
Einsprachenflut zu Coop-Center
Gegen das geplante Einkaufscenter mit rund zehn weiteren Geschäften auf dem ehemaligen Kofmehl-Areal sind insgesamt 8 Einsprachen eingegangen. Darunter befinden sich jedoch mehrere Sammeleinsprachen, sodass insgesamt 146 Personen aus der Anwohnerschaft Einsprache erhoben haben. Eine Einsprache sei allein von 38, eine weitere ebenfalls von 23 Personen unterzeichnet worden, teilte Stadtplaner Bernhard Straub auf Anfrage mit. Bereits vor Ablauf der Einsprachefrist hatten sich einige Anwohner kritisch zum geplanten Center geäussert (wir berichteten). Sie bemängelten, dass kein Mitwirkungsverfahren stattgefunden habe, befürchteten Mehrverkehr und Nachtlärm und beanstandeten die vorgesehene Bauhöhe. Auch die Altlasten unter dem Bauperimeter waren den Anwohnern ein Dorn im Auge. Die Einsprachen werden nun vom Rechtsdienst der Stadt geprüft; dieser nimmt auch allfällige Einspracheverhandlungen auf. Das Prüfungsergebnis wird dem Gemeinderat zum Entscheid unterbreitet, ehe es an den Regierungsrat verabschiedet wird. Erst dann können abgelehnte Einsprachen als Beschwerde ans Verwaltungsgericht weitergezogen werden. (WW)
Solothurner Tagblatt, 13. Feb. 2008, Fabian Gressly
Anwohner wehren sich gegen Coop
Acht Einsprachen mit rund 150 Unterzeichnenden: Die Opposition gegen das Coop auf dem alten Kofmehl-Areal ist gross.
Die Anwohnerschaft macht mobil: Gegen die Coop-Pläne, auf dem Areal des alten Eisenwarenunternehmens Kofmehl an der Solothurner Gibelinstrasse eine Filiale zu erstellen, wurden etliche Einsprachen eingereicht. Nach Ablauf der Einsprachefrist liegen dem Solothurner Stadtbauamt 8 Einsprachen mit insgesamt 146 Unterzeichnenden vor.
Die grösste Einsprache, mit 37 weiteren Unterschriften, hat Andreas Ehrsam eingereicht. Darin wehren sich die Beteiligten gegen etliche Elemente des im Dezember letzten Jahres vom Gemeinderat verabschiedeten Gestaltungsplans. Doch auch mit der Vorgehensweise an sich, wie Coop und die Marti AG das Projekt angegangen sind, sind die Anwohner nicht einverstanden: Wohl habe es Mitte letzten Jahres eine Informationsveranstaltung gegeben. Ein eigentliches Mitwirkungsverfahren, wie es der Kanton für publikumsintensive Bauvorhaben dieser Grössenordnung empfiehlt, wurde aber nicht durchgeführt. Im Gegenteil: Die Realisatoren hätten das Projekt möglichst ohne öffentliche Aufmerksamkeit durchziehen wollen, so lautet die vorherrschende Vermutung. Mit einer schnellen Realisierung könne der Grossist den Ausbauplänen seines grössten Konkurrenten Migros in Langendorf zuvorkommen.
Viele Kritikpunkte
Ein Kritikpunkt der Gegner ist die Verkehrssituation mit dem neuen Coop. Mit den 2385 Fahrten täglich in beiden Richtungen komme die Entlastung West an ihre Kapazitätsgrenzen und sorge für Fluchtverkehr im Quartier, befürchten sie und bemängeln das Fehlen eines eigentlichen Verkehrskonzepts.
So richtig mögen die Anwohner des Weiteren nicht glauben, dass die Hälfte der Coop-Kunden den öffentlichen Verkehr nutzt. Das habe man in der Planung nur so aufgenommen, damit die Zahl der Parkplätze entsprechend gesenkt werden konnte und so überhaupt realisierbar sei. Überhaupt entstehe der Eindruck, die rechtlichen Bedingungen würden nun mit Ausnahmeregelungen dem Bau angepasst, nicht umgekehrt.
Auch der Umgang mit den Altlasten im Baugrund sorgt für Ärger: Mit dem Projekt will Coop den Boden quasi unangetastet lassen, denn die Entsorgung des Materials wäre aufwendig und teuer. Deshalb sollen die 300 Parkplätze nicht in einer unterirdischen Einstellhalle zu stehen kommen, sondern auf dem Dach. Somit werde die zulässige Gebäudehöhe von 14 Metern überschritten, lautet ein weiterer Kritikpunkt. Überhaupt passe der Bau mit seiner grossen Kubatur nicht ins Quartier.
Kurzum: «Gestaltungsplan und Umweltverträglichkeitsbericht haben Mängel», finden Ehrsam und andere Anwohner. Man denke im Quartier zwar gleich, doch die Einsprachen seien unabhängig von einander eingegangen, betont Andreas Ehrsam. Immerhin: auf der eigens von ihm aufgebauten Website ist die gemeinsame kritische Haltung klar ersichtlich. Will man diese auf einen Nenner bringen, sagt Ehrsam: «Wir wollen dieses Bauvorhaben so nicht.» Wenn Coop schon komme, sollten – erstens – die Parkplätze unter den Boden. Zweitens müsse die Verladestation für die anliefernden Lastwagen von der Aussenwelt abgeschirmt werden und für die Quartierstrassen müssten flankierende Massnahmen gegen den befürchteten Fluchtverkehr realisiert werden.
Die Einsprachen werden nun von der Stadt geprüft und an einer allfälligen Einspracheverhandlung mit den Parteien behandelt. Der Gemeinderat entscheidet dann über die (verbleibenden) Einsprachen.
UebersichtKommentare
Einen Kommentar hinzufügen?