| Da ist einiges schiefgelaufen | 06.04.2008 |
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Verärgert haben Anwohner im Bereich Gibelin- und Segetzstrasse festgestellt, dass der versprochene Zeitplan bis zur Wiederherstellung der normalen Zufahrt in ihre Wohn- und Geschäftshäuser nicht eingehalten wird. Der Ärger sei verständlich meint Projektleiter Dieter Fux, aber es gebe Gründe dafür. (NIKLAUS STUBER)
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«Ich habe letztes Jahr diese E-Mail geschickt und Ihre untenstehende Antwort erhalten. Ich möchte die gleichen Fragen noch einmal stellen, da ja bekanntlich das letzte Jahr vorbei ist, und die Behinderungen nur noch schlimmer geworden sind. Ist ab dem 20. März alles wieder normal? Wann ist der Anschluss Segetzstrasse, Gibelinstrasse, Allmendstrasse wieder normal befahrbar? Haben Sie irgendein Terminprogramm, das verlässlich ist?» Dieses Mail fasst die Meinung und Fragen vieler Anwohner zusammen, die trotz anderslautenden Informationen immer noch darauf warten, dass Normalität einkehrt und sie zu Fuss, auf dem Stahlross oder mit den Autos wieder auf normalen Routen ihre Wohnungen oder ihren Arbeitsplatz erreichen. Der Projektleiter Entlastung West des Amtes für Verkehr und Tiefbau, Dieter Fux, hat Verständnis für diesen Ärger. Die ganze «Bauerei» hat viel länger gedauert, als angenommen und schuld daran ist ein Problem, das sich dann auf das ganze Bauvorhaben ausgewirkt hat. Auf das Bauvorhaben der Knoten Gibelin und Allmend, wie Fux unterstreicht, und nicht auf die Entlastung West.
Nicht ganz deckungsgleiche Infos
Man habe immer versprochen, eine Anwohnerinformation «zu Beginn des Jahres 2008 zu machen. Jetzt ist der 9. April – ob das zu Beginn des Jahres ist, darüber kann man streiten». Doch «wollten wir zuerst aus dem Schlamassel rauskommen, um korrekt informieren zu können.» Nächsten Mittwoch ab 18 Uhr wird also beim Südportal des Gibelintunnels informiert, wieso das Ganze so lange gedauert hat – und vor allem, wie lange es noch dauern wird. Die Prognosen von Fux sind dabei nicht unbedingt deckungsgleich mit den Auskünften des Verantwortlichen der ausführenden Bauunternehmung. Fux gibt durchaus Mängel in der Information zu, Massnahmen hat er auch ergriffen. Diese Kritik akzeptiert er, nicht aber jene der «Besserwisser», die in Unkenntnis der Komplexität eines solchen Bauvorhabens kein Verständnis dafür haben, dass es immer zu unvorhergesehenen Umständen kommt. «Oft sind es sogar kleine Ursachen, die grosse Auswirkungen auf den ganzen Bau haben.»
Leitungen «abgesoffen»
Am Beginn der Verzögerungen standen Abwasserleitungen für Schmutz- und Strassenwasser. «Diese Leitungen sind uns abgesoffen», erklärt Fux plakativ, denn der lehmige Baugrund hat nicht getragen. Alles musste nach einer Expertise auf Holzpfählen neu erstellt werden (wir berichteten). Zeitverlust dieser Überbrückung des schlechten Baugrundes: Zwölf Monate, die sich auch auf den Strassenbau ausgewirkt haben. Hier wie auch weiter vorne kann man die Strasse nicht erstellen, wenn der «Untergrund» nicht fertig ist. «Von unten nach oben – es hat ja niemand Verständnis, wenn wir eine fertig gestellte Strasse wieder aufreissen.» Ende Juni nun können nach den Anschlüssen der Abwasserrohre an die ARA die Strassenbauarbeiten abgeschlossen werden: «Wenn das mit der Kanalisation nicht passiert wäre, ein Jahr früher. Das bedauere ich besonders auch für die Betroffenen.»
Das Teilstück der Gibelinstrasse zwischen den zwei Knoten wird ebenfalls instand gestellt, «wobei es noch festzulegen gilt, wie viel der Kanton wegen der Umfahrung und wie viel die Stadt für sowieso notwendige Substanzerneuerung zu tragen hat.» Juli bis August wird es aber auf jeden Fall, bis dies erledigt ist: «Hier haben wir keinen Termindruck.»
Am 1. Mai ist es so weit
Anders gelagert sind die Probleme bei der Allmendkreuzung. «Hier haben wir ein innerstädtisches Problem mit bis zu 60-jährigen Leitungen im Boden. Dazu kommt die ganze Problematik des Dürrbachs und Obachs.» Zum Teil waren in diesem Bereich die Pläne völlig unkorrekt, so dass aufgrund falscher Annahmen geplant worden war. «Flexibilität ist bei solchen Bauvorhaben unabdingbar», weiss Fux, «aber wir haben versprochen, den Knoten Allmend Ende Jahr zu öffnen – nicht zuletzt wegen der Busbetriebe – und so haben wir hier forciert.» Am 1. Mai, sichert Dieter Fux zu, «werden wir die Verbindung Allmend – Gibelin öffnen.»
«Kleine Ursachen», haben oft grosse Auswirkungen, so Fux beim Ortstermin. Kaum gesagt, fährt ein Muldenlastwagen auf der Baustelle vorbei, den Aufbau mit der Mulde noch nicht ganz eingefahren – und reisst die Stromleitung herunter, welche provisorisch die Pumpen im Tunnel versorgt. Es passiert zum Glück nicht viel, aber …
Die Anwohner habens nicht immer leicht mit der Bauerei. Dieter Fux allerdings auch nicht.
Vor kurzem eher noch eine «Tropfsteinhöhle»
Sorgen bereitete den Verantwortlichen über längere Zeit der Gibelintunnel respektive das Wasser, das nicht nur zu Regenzeiten in den Kunstbau eindrang. An und für sich nichts Ungewöhnliches, wie Dieter Fux ausführt. Dass der Tunnel im Grundwasser schwimme und gegen den Auftrieb gesichert werden müsse, das sei bekannt gewesen. In solchen Bauten gelte es immer, nach-trägliche Risse abzudichten. «Das hat nichts mit unsorgfältigem Bauen zu tun. Nach der Fertigstellung bewegen sich Erdreich und der Bau noch.» Die Spannungen würden dann eben zu Veränderungen im Beton führen, die nachgebessert werden müssten. Beim Gibelintunnel seien es aber doch über die Massen viele Lecks gewesen, was «nicht zuletzt mit den Bauarbeiten selbst und der Herausnahme der Spundwände zu tun hat». Noch vor ein paar Wochen hätte er den Tunnel nicht gerne gezeigt, meint Fux augenzwinkernd: «Der Tunnel glich mehr einer Autowaschanlage oder einer Tropfsteinhöhle.» Bis auf sechs, sieben Risse sei jetzt aber alles durch Spezialisten abgedichtet und 100 Prozent sicher, erklärt Fux und zeigt eine der verbleibenden undichten Stellen, an der das eindringende Wasser bereits Kalkspuren hinterlassen hat. «Auch wenn diese letzten Schäden behoben sind: In ein paar Monaten werden wir im Tunnel wieder weitere solche Arbeiten vornehmen müssen – wie es bei allen anderen Tunnelbauten auch der Fall ist.» (NST)
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